100 Tage NEB, 100 Tage LEHM-BAU-KULTUR: Mein persönliches Zwischenfazit

Von null auf hundert. Kaum war der Startschuss gefallen, standen schon die ersten Lehmcamps, Workshops und Veranstaltungen im Kalender. Rein ins NEB-Projekt, raus auf die Baustelle, rein ins Gespräch mit Menschen, die sich für nachhaltiges Bauen begeistern. Das Neue Europäische Bauhaus hat unseren Verein ordentlich durchgewirbelt.

Die ersten Wochen waren ein Spagat zwischen Freude über den positiven Zuwendungsbescheid und der ganz praktischen Realität: Fördermittel fließen nicht immer so schnell wie die Aufgaben wachsen. Planung und Improvisation mussten Hand in Hand gehen.

Ein Highlight war der Besuch aus Brüssel. Vertreterinnen und Vertreter der Kommission aus dem Directorate-General REGIO, die europaweit NEB-Projekte anstoßen, haben Fragen gestellt, sich historische Techniken zeigen lassen, wirklich zugehört und man merkte, wie sehr sie beeindruckt waren, wenn Theorie und Praxis aufeinandertreffen. Für mich ein starkes Signal, dass unser Thema nicht nur lokal, sondern auch auf europäischer Ebene wirkt.

Besonders freue ich mich über die Mischung aus neuen Kontakten und altbewährten Netzwerken. Menschen, mit denen ich schon lange zusammenarbeite, bringen Stabilität und Erfahrung ein, während neue Partnerinnen und Partner frische Ideen und Perspektiven mitbringen. Diese Mischung macht das Projekt lebendig.

Wenn die ersten 100 Tage ein Zeichen dafür sind, wohin die Reise geht, dann kann ich nur sagen: Willkommen in der Achterbahn! Aber in einer besonders schönen, bei der jede Kurve neue Ideen mit sich bringt und ich das Glück habe, mit großartigen Mitfahrenden unterwegs zu sein.

Es ist viel besser, nur eine einzige Idee zu verfolgen. Und wenn die Idee klar ist, kann man dafür kämpfen. So lassen sich Dinge umsetzen.

Ludwig Mies van der Rohe 

Und ich ganz persönlich? Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle – etwas, wovon ich bis dahin erfolgreich und bewusst Abstand gesucht habe. Meine Selbständigkeit durfte in die zweite Reihe treten, weil der Fokus klar ist: Wir bauen unsere Schwemme weiter, wir bespielen sie, wir ziehen das durch. Im NEB-Wertekompass heißt das so: Beautiful, sustainable & together.

Die Gemeinschaft rund um dieses Haus am Fluss ist für mich viel mehr als Lohnarbeit. Sie ist ein Ort, an dem ich auch auftanken kann, gerade in einer Zeit, in der mich seit vielen Jahren vor allem die Sorge im nahen Familienkreis begleitet. Diese Sorgen sind gerade wieder sehr präsent und manchmal frage ich mich, wie ich das alles schaffe. Doch ich weiß, dass die Schwemme und die Menschen, die sie zusammenbringt, ein wichtiger Teil meiner Kraft sind. Sie geben mir Halt, Hoffnung und das Gefühl, nicht allein zu sein.

Ein weiterer Pfeiler in meinem Alltag sind die Menschen in meinem Coworking Space, und damit auch ein Brückenschlag zu meinen bisherigen (Coworking-) Projekten. Dort wird Gemeinschaft genauso gelebt wie in unserer Schwemme. Halt und Energie kommen hier nicht nur von der großartigen Kaffeemaschine, sondern vor allem von guten Empfehlungen, hilfreichen Tipps und einem offenen Ohr, wenn es gebraucht wird. All das prägt meinen Arbeitsalltag, wenn ich nicht gerade auf der Schaubaustelle bin. Für diese Orte, an denen Arbeit, Austausch und Freundschaft so selbstverständlich ineinandergreifen, bin ich unheimlich dankbar, denn ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.